
Die Jury des
Bundesamtes für Veterinärwesen hat sich entschieden: Die besten Haltungen
von Hamstern, Kanarienvögeln, Kaninchen, Wellensittichen und
Meerschweinchen sind ausgewählt.
Das freut die Tiere: Ihre
Halter wollen, dass sie glücklich sind. Denn über 1300 Leute haben ihre
Dokumentationen eingesandt, um ihre Tierhaltung beim grossen Wettbewerb
der Coopzeitung und des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) beurteilen
zu lassen. Und die Dossiers zeigen, wie gross das Interesse daran ist, die
Haustiere wirklich artgerecht zu halten. Aus der Deutschschweiz kamen über
81 Prozent der Einsendungen, 15 Prozent aus dem Welschland und 4 Prozent
aus dem Tessin. Mit 50 Prozent waren die Dossiers zur
Meerschweinchenhaltung klar in der Überzahl, gefolgt von Kaninchen mit 39
Prozent, Wellensittichen mit 7, Kanarienvögeln mit 3 und Hamstern mit 1
Prozent.
Die Gewinner erhalten je nach Rang Ferien im Schweizerischen Nationalpark
im Engadin, Zooabonnemente, Gutscheine und Futterpakete. Die Preise werden
grösstenteils von Vitakraft gestellt. Doch es profitieren nicht nur die
prämierten Tierhalter. Jeder, der ein Dossier eingereicht hat, bekommt vom
BVET eine Beurteilung seiner Tierhaltung und wertvolle Tipps, wie er es
noch besser machen kann.
Das BVET hat auch eine
sehr informative Seite im Internet aufgeschaltet. Dort finden Sie neben
den wichtigsten Punkten zur neuen Tierschutzverordnung auch ausführliche
Anleitungen zur richtigen Haltung sowie Infos zu den Grundbedürfnissen der
verschiedenen Tierarten. Dazu gibt es auch Videos. Ausserdem kann die neue
Tierschutzverordnung als PDF heruntergeladen werden.
Vom Schützen und Nützen
Für Hans Wyss enthält die
neue Tierschutzverordnung, die seit 1. September gilt, wichtige
Neuerungen. Der Direktor des Bundesamtes für Veterinärwesen über
Kompromisse, Strafen und Verantwortung.
Coopzeitung: Können Sie noch gut schlafen?
Hans Wyss: Ja, sehr gut! Warum?
Weil die Tierschutzverordnung zum Teil heftig
kritisiert wird. Dem Bauernverband geht sie zu weit - und dem Schweizer
Tierschutz nicht weit genug.
Dass beide in entgegengesetzte Richtung Kritik anbringen, zeigt, dass wir
wahrscheinlich einen vernünftigen Weg eingeschlagen haben. Wir haben
probiert, den Weg zwischen Schützen und Nützen vernünftig zu gehen. Das
bringt mein Job auch mit sich, dass es nicht das erste Ziel sein kann,
alle zufriedenzustellen. Schlecht wäre es, wenn die eine Organisation
alles total gut finden würde und die andere alles schlecht. Dann hätten
wir den Mittelweg nicht getroffen.
Das braucht auch Kompromisse.
Schon bevor der Vorschlag in die Anhörung ging, sind sehr viele
Vorarbeiten gemacht worden. Und während dieser Vorarbeiten hat man immer
auch Tierschutz und Produzenten miteinbezogen. Dann haben wir einen
Anhörungsvorschlag gemacht. Und es kamen über 530 Stellungnahmen. Und
schliesslich kristallisiert man die kritischsten Punkte heraus. Im
Nutztierbereich hat sich das am Schluss auf etwa zehn Punkte reduziert.
Und dort hat man eine Kompromisslösung gesucht, die eine Verbesserung
bringt, aber ökonomisch verträglich ist. Und ich denke, das haben wir gut
hingebracht. Das Tierwohl wirkt sich zumindest in gewissen Bereichen auch
positiv aus auf die ökonomische Seite. Das ist nicht immer ein
Kontrapunkt.
Was sind die Meilensteine der Verordnung?
Ich wäre vorsichtig mit dem Wort Meilenstein. Das Wichtigste ist, dass man
die ganze Palette von Tierhaltungen abdeckt. Und dass man bei allen
Verbesserungen machen konnte, die sich für das Tier positiv auswirken,
weil auf seine Grundbedürfnisse Rücksicht genommen wird. Aber es gibt
nicht den Meilenstein par excellence. Für mich persönlich war es wichtig,
dass endlich die Anbindehaltung von Pferden verboten wird. Ein Pferd
braucht Bewegung.
Wie wird die Einhaltung kontrolliert?
Es ist ganz wichtig, dass sich jeder der grossen Verantwortung bewusst
ist, wenn er Tiere hält. Tiere haben auch für Kinder einen starken
erzieherischen Wert, gerade punkto Verantwortung. Kont-rollen werden erst
dort gemacht werden können, wo man Hinweise auf Probleme hat. Es darf
nicht das Ziel sein, dass man in jeden Haushalt geht und kontrolliert. Die
Bestimmungen sind nicht zuletzt auch dazu da, dass man dort, wo etwas
wirklich nicht gut läuft, die rechtlichen Grundlagen hat, um Massnahmen zu
ergreifen.
Viele Leute fragen sich jetzt, ob und wie sie
bestraft werden, wenn sie etwa ein Meerschweinchen alleine halten.
Das ist ein gutes Beispiel. Der Punkt, dass Meerschweinchen oder
Wellensittiche nicht mehr alleine gehalten werden dürfen, das ist von
manchen Medien als absurd dargestellt worden. Aber für jedes sozial
lebende Tier ist der Sozialkontakt etwas ganz Wichtiges. Und was die
Strafen angeht, das ist vielleicht auch ein Problem von uns Schweizern.
Wir denken immer gleich als Erstes an Kontrollen und Strafen. Aber in
dieser Verordnung ist ja ein grosser Schwerpunkt die Informations- und
Ausbildungsverbesserung. Wichtig ist, dass man sich vor der Anschaffung
eines Tieres überlegt: Habe ich die Voraussetzungen, die Zeit? Bin ich
bereit, diese Verantwortung zu übernehmen? Am Schluss ist das alles viel
wichtiger als irgendwelche Strafbestimmungen.
Und was war Ihr Eindruck von den Haltungen
beim Tierwettbewerb?
Für mich ist es auch sehr erfreulich, wie viele mitgemacht haben. Diese
Leute investieren viel in ihre Tierhaltungen. Und wir konnten so auch die
Bedürfnisse von Tierarten vermitteln, die bis jetzt nicht so im Fokus
standen.
Interview: Katalin Vereb
Alles aus Liebe zu den Tieren
Die Wettbewerbspreise hat
Vitakraft gesponsert. Firmensprecherin Sibylle Rechsteiner über
Tierhaltung und Haustiere.
Coopzeitung: Warum haben Sie sich beim
Tierwettbewerb engagiert?
Sibylle Rechsteiner: «Aus Liebe zum Tier»! Dieser Satz steht bei uns an
erster Stelle. Zudem möchten wir die sozial bedeutsame
Mensch-Heimtier-Beziehung weiter fördern und gleichzeitig eine artgerechte
Heimtierhaltung und -Ernährung unterstützen. Das Engagement von Coop im
Bereich Tierschutz erachten wir als äusserst sinnvoll und haben diesen
Wettbewerb daher gerne unterstützt.
Was denken Sie über die neue
Tierschutzverordnung?
Als verantwortungsvolles Unternehmen setzen wir uns seit jeher für eine
artgerechte Haltung und Ernährung ein. Wir befürworten daher, dass diese
wichtigen Punkte nun auch gesetzlich verankert wurden.
Was tut Vitakraft konkret für die artgerechte
Tierhaltung?
Auf unserer Homepage findet der Konsument alles Wissenswerte zur
artgerechten Haltung und Ernährung für sein Tier. Des Weiteren kann er
direkt über diese Homepage mit unserem Konsumentendienst Kontakt
aufnehmen, falls noch Fragen offen sind. Wir verkaufen nur Nagerheime, die
den Anforderungen des Schweizer Tierschutzes STS entsprechen.
Wie wird ein neues Tierfutter bei Vitakraft
entwickelt, zum Beispiel die Kräcker bei den Meerschweinchen?
Wir orientieren uns bei der Entwicklung von neuen Produkten an den
natürlichen Lebensräumen der Tiere. Es ist sehr wichtig, dass sich
Heimtiere genügend beschäftigen können. Unter diesem Aspekt wurde der
Kräcker entwickelt.
Vitakraft hat ein sehr breites Angebot für
viele verschiedene Tiere, wie bringt man das alles unter einen Hut?
Gerade weil wir uns als Familienunternehmen seit über 150 Jahren
ausschliesslich den Heimtieren widmen, können wir sämtliche Tierbereiche
optimal und kompetent abdecken.
Haben Sie Haustiere?
Ja, ich habe zwei Griechische Landschildkröten. Aufgewachsen bin
ich mit Katzen, Vögeln, Meerschweinchen und Fischen.lvk
Meerschweinchen Ein
grosses Gehege mit viel Abwechslung
Hier können
Meerschweinchen Meerschweinchen sein: Bei Daniela Schlienger und Dominique
Kleiber in Schupfart (AG) wohnen elf davon. Die Tiere haben ein
mehrgeschossiges Gartenhaus, wohin sie sich zurückziehen können und ein
gut geschütztes Freigehege mit kleinen Häuschen, Pflanzen und Verstecken.
Das Gehege ist rund 30 Zentimeter in den Boden eingegraben, zum Schutz vor
Wildtieren. Dominique Kleiber erweitert es im Sommer zudem mit einem Zaun,
damit die Meerschweinchen noch mehr Platz haben.
Die vier weiteren
Hauptgewinner
Kanarienvögel: Eine Voliere unter freiem
Himmel
In dieser grossen Voliere leben glückliche Kanarienvögel: Zwölf sind es
insgesamt. Sie sollten nie allein gehalten werden. Diese Tiere brauchen
die Gesellschaft von Artgenossen. Und sie können sich über viel Freiraum,
Pflanzen, Äste und eine Badegelegenheit freuen. Und wenns heiss wird,
gibts eine künstliche Regenanlage, im Winter eine Wärmeglocke. Gustav Egli,
Leiter der Residenz Bethesda in Küssnacht ZH, ist stolz auf die Voliere,
die Emmanuel Martins konzipiert hat und die er auch pflegt.
Hamster: Hier gibts genug Platz, um viel
zu graben
Ein Hamster ist nicht gern ausgestellt. Er liebt es, wenn die Einstreu im
Gehege möglichst tief ist und er richtig graben kann. Und das kann der
Hamster von Lorena Hartmann aus Hermetschwil-Staffeln AG reichlich! Er hat
auch ein Laufrad, Äste mit Laub und - ganz wichtig - er ist allein in
seinem Reich. Hamster sind Einzelgänger. Das Gehege hat der Grossvater der
Schülerin nach ihren Wünschen gebaut. Lorena Hartmann träumt von einem
grossen Haus mit viel Platz für Tiere - und einem Beruf mit Tieren.
Wellensittiche:
Ein schönes Paradies für viele Vögel
Wellensittiche leben in
Schwärmen und sind nicht gern alleine. Deshalb sollten sie immer zusammen
mit Artgenossen gehalten werden. In dieser grosszügigen Voliere in
Niederwil AG haben sie genug Platz für Gesellschaft. Und sie können sich
auch genügend bewegen. Es gibt ausserdem einen geschützten Raum, wohin sie
sich auch mal zurückziehen können. Daniel Seiler pflegt und füttert die
Wellensittiche gewissenhaft, dafür braucht er etwa eine Stunde am Tag.
Doch für die Vögel nimmt er sich gerne Zeit.
Kaninchen: Das
beste Zuhause für die Langohren
Susanne Nötzli aus Roggenburg
BL hält «ihre» Kaninchen nicht nur, weil sie diese Tiere schon als Kind
immer geliebt hat. Auch ihr 4-jähriger Sohn Joris hat sie sich unbedingt
gewünscht. Auch er liebt «Häsli», hat auch viele Stoffhasen, mit denen er
gerne spielt. Also hat die Familie vor zwei Jahren dieses Gehege angelegt.
Joris hilft schon ein bisschen bei der Pflege mit. Zurzeit wohnen neun
glückliche Kaninchen darin, sie haben sogar ein eigenes Höhlensystem
gegraben und ein Häuschen gibts natürlich auch.
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